Hurtigruten – Reisebericht

Hurtigruten – ein Reisebericht aus Sicht eines (Hobby-)Fotografen

Tag 1: Ankunft in Bergen

Wir hatten Glück und einen Direktflug von Frankfurt nach Bergen bekommen. So waren wir schon gegen 14 Uhr am Hurtigruten Terminal und konnten unser Gepäck aufgeben um dann noch etwas Zeit in Bergen zu verbringen. Unter anderem aßen wir dort das teuerste Lachsbrötchen für 16 €.
Und ein weiteres Glück …. Bergen bei strahlendem Sonnenschein erlebt :-)

Speicherstadt Bergen
UNESCO Welt Kulturerbe: Speicherstadt Bergen

Gegen 17 Uhr konnten wir dann  auf unser Schiff – die MS Nordnorge – gehen und unsere Kabine 526 beziehen. Dann gings gleich ins Restaurant …. ums kurz zu machen: Das Essen ist auf den Hurtigruten-Schiffen einfach Hammer. Natürlich viel Fisch. Immer frisch zubereitet und abwechslungsreich. Aber es soll ja nicht um einen kulinarischen Reisebericht gehen – sondern ein fotografischer… also weiter mit Fotos:
Abfahrt gegen 20:30 Uhr


Abfahrt von Bergen

Tag 2: Geirangerfjord

Wahrschein das Reiseziel in Süd-Norwegen: der Geirangerfjord. Im Sommer machen die Hurtigruten-Schiffe einen Abstecher durch den Fjord. In den anderen Jahreszeiten muss man einen Ausflug buchen um diesen zu sehen. Und klar – dieser Ausflug war vorn vorne herein gebucht.

Aber von vorne: An diesem Tag gab es wohl den schönsten Sonnenaufgang unserer Reise … und da begann ich langsam an zu begreifen warum die Hurtigruten auch als “die schönste Schiffreise der Welt” bezeichnet wird.


Sonnenaufgang auf einem Hurtigruten-Schiff

Nur Fotos kein Text – dann hier klicken :)
Kleiner Tipp: um die Fotos in groß genießen zu können : oben rechts das “Bildgrößen” Symbol anklicken.

Nach kurzem Anlegen in Alesund (15 Minten) ging es erst mal wieder südwärts in den Hjørund- bzw. Norangs-fjord, wo wir die MS Nordnorge mit einem Tenderboot verließen um in Urke in den Reisebus zu steigen:


MS Nordnorge im Norangsfjord

Im Reisebus ging es dann durch das Norangsdal um in Hellesylt auf die Fähre nach Geiranger zu gehen.


Entlang dem Geirangerford – Wasserfall “Sieben Schwestern”


Aussichtpunkt Flydalsjuvet

Und weiter auf der “Eagles Road” nach Eidsdal um wieder mit der Fähre den Tafjord zu überqueren.


Tafjord ujnd Eidsdal

Die Fahrt zurück nach Ålesund (wo die MS Nordnorge wieder auf uns wartete) war lang; nur unterbrochen von einer kleinen Einkehr mit leckerer Fischsuppe. Leider wurde der Aussichtpunkt auf dem Berg Aksla in Ålesund nicht mehr angefahren, was für mich sehr ärgerlich war. Ich wollte die Jugendstil-Stadt eigentlich von oben fotografieren.

Tag 3: Trondheim

Der Tag startete sehr regnerisch …. aber dennoch kein Grund im Bett liegen zu bleiben. Man sagt – dass es an der Küste Norwegens es ständig zu Wetteränderungen kommt/kommen kann … also – es kann  ja besser werden :-)
Als eines der “spannendsten” Tagesereignisse dieser Reise gilt wenn sich zwei Hurtigruten-Schiffe begegnen. Das eine auf dem Nord-Kurs, das andere südgehend. Wir begegnetem kurz vor Trondheim auf die Veseralen – das kleinse Schiff der Hurtigruten Flotte.

In Trondheim hatten wir einen 3stpündigen Aufenthalt – also zu Fuß die Stadt etwas erkundet. Zumindest hatte der Regen aufgehört. Entlang des Nidelva Flusses zur alten Stadtbrücke:

Und gleich weiter zum Nidaras Dom – dem größten Dom Norwegens. Meine Reisegruppe scheute den Eintrittspreis von 12 €. Da allerdings Kirchen-Innen-Architektur eines meiner liebsten Fotomotive ist war klar, dass ich den Dom von innen sehen muss. Eine halbe Stunde wurde mir von meiner Begleitung gegönnt. Also mit Stativ und Kamera im Anschlag in die wirklich sehenswerte Kirche:


Nidaras Dom, Trondheim [Norwegen]
Alle Innenaufnahmen in HDR Technik

Danach wieder schnell zurück aufs Schiff …. und weiter gen Norden. Regen, Wolken, etwas Sonne wechselten sich ab.

Und wenn mal die Aussicht doch nicht so reizvoll ist … dann dienen auch mal Regentropfen auf der Reiling ein spannendes Motiv :-)

Nach all den Wetterumschwüngen an diesem Tag wurden wir aber wieder mit einem wunderbaren Sonnenuntergag belohnt:

Tag 4: Polarkreis & Bodø

Früh morgens überquerten wir den Polarkreis. Etwas später gab es dann die Polarkreistaufe. Auf Deck 7 kommt “Njord” uns besuchen und wer mag – darf sich eine Kelle Eiswasser ins Genick schütten lassen um einen Schnaps zu bekommen. Das wurde natürlichen mitgemacht – und anschließend wärmte ich mich wieder im Pool auf Deck 6 auf. (Diesen nutze ich fast täglich. Vor allem im nördlichen Teil unserer Reise war dieser quasi immer frei und ich genoss das heiße Wasser bei Schneefall.)


Polarkreisüberquerung

Weiter nordwärts wurde es langsam winterlicher … aber der Herbst konnte seine Farben noch zum besten geben:

In Bodø hatten wir gute 2 Stunden Aufenthalt. Zeit genug um das wenig fotografische Städtchen zu besuchen. Leider regnete es kräftig als wir das Schiff verließen, wurde aber zusehends besser und es kam sogar sie Sonne zum Vorschein. (Wieder mal Glück gehabt.) Also fotografisches Ziel war – wie immer – die Kirche. In Bodø ist aber der Kirchturm spannender als die Kirche selbst.


Kirche und Kirchturm Bodø

Leider konnten wir auch nicht in die Kirche – ich musste immer wieder feststellen, dass in Norwegen die Kirchen generell geschlossen sind. Deswegen ging es gleich weiter in den Neubau des Rathauses. Ich hatte im Vorfeld in einem Reiseblog gelesen, dass sich die Innenarchitektur dort sehr “speziell” sein sollte – und siehe da:

Innenarchitektur Bodo Rathaus

 

 

 

Und dann war es auch schon wieder Zeit um zurück in den Hafen zu schlendern – weiter nordwärts.

Nach dem Sonnenuntergang überquerten wir das erste mal etwas offene See – um in Dunkelheit auf den Lofoten anzukommen. Trotz Verspätung hatten wir in Svolvær etwa eine halbe Stunde Aufenthalt. Während meine Reisebegleitung sich etwas die Füße in Städtchen vertretenen blieb ich mit Stativ im Hafen:


Hafen Svolvær – Lofoten – Norwegen

Etwa um Mitternacht erreichten wir den Trollfjord. Bereits früher am Tag konnten wir einen “Trollschnaps” (Glühwein) genießen. Dieser Fjord ist der engste, den ein Hurtigruten-Schiff befahren kann. Dies ist aber nur bei absolut ruhiger See möglich. Wir hatten Glück: Die Felsen zogen dicht vorbei – als ob man sie sogar mit ausgestrecktem Arm berühren könne. Die Bord-Scheinwerfer boten gruslige Anblicke. Die Stille (Windstille und das ehrfürchtige Schweigen der Reisenden) trug ihr Übriges bei. Ein tolles Erlebnis.

Tag 5: Tromsø

Dies war der meist verregnete Tag auf unserer Reise. Nur unterbrochen von einer kleinen Wolkenlücke – die uns dann aber einen wunderbaren Regenbogen schenkte.

Auch bei unserem Aufenthalt in Tromsø regnete oder nieselte es. So haben wir NICHT die Fjellheisen Seilbahn zum Aussichtspunkt über Tromsø genommen – es hätte keine Aussicht gegeben. Dennoch, dem Regen trotzend, gingen wir über die Tromsøbrua zur Eismeer-Kathedrale.


Eismeer Kathedrale – Tromsø – Norwegen

Auf dem Rückweg war dann auch die Tromsø Kathedrale beleuchtet (aber natürlich auch zugeschlosen).


Tromsø Kathedrale

Zur Dämmerung ging unsere Hurtigruten-Reise weiter gen Norden.

Tag 6: Nordkapp

In der Nacht fuhren wir dann in die Barentssee ein und es begann kräftig zu stürmen. Wir erfuhren, dass es durchaus 6 – 8 m hohe Wellen gab. Herausforderung für den Gleichgewichtssinn. Und dies sollte die  nächsten 3 Tage und Nächte ähnlich bleiben, was sich bei der verringerten Menschenmenge in Gängen und beim Essen zeigte.

Wellen in der Barentssee

Von Honningsvåg bieten sich 2 Ausflüge an. Der Klassiker ans Nordkapp erschien und zu langweilig. Wohl wissend, dass ein nebengelegener Landesarm noch nördlicher liegt und das Touri-Zentrum reizte uns auch nicht. Obendrauf war die Wettervorhersage eher “durchwachsen” so dass die Aussicht fragwürdig war. Also ging es für uns mit dem Bus zu zwei Fischerdörfern. In der vergangenen Nacht gab es den ersten Neuschnee – so dass die karge Landschaft noch karger erschien:

Ein kleiner Stopp auf einem Parkplatz mit Sicht auf das “Nordkapp”:


Blick zum Nordkapp

Die Dörfer selber boten allerdings auch wenig Spannendes. Im ersten Dorf Skarsvåg besuchten wir das “Weihnachtshaus”. Aber anstatt sich mit Weihnachtsdeko einzudecken spazierte ich zur Kirche:


Skarsvåg kirke

Im zweiten Dorf Kamøyvær war außer einem Spaziergang zum kleinen Leuchtturm gar nichts geboten. Ich hätte wenigstens erwartet, dass man sich mit einem Fischer unterhalten kann – oder über die Fischerei besser informiert wurde. Aber der Spaziergang wurde mit Sonnenschein belohnt. Doch bevor wir wieder zurück am Bus ankamen brach ein kleiner Schneesturm aus – klassisches, wechselhaftes Wetter an der Norwegischen Küste eben :-)

An diesem Abend gab es das erste mal die Möglichkeit Polar-Lichter zu sehen. Leider war der Himmel stark bewölkt und man konnte eher von grün leuchtenden Wolken reden.

Ebenso stürmte in dieser Nacht weiterhin, so dass es sicherlich nur verwackelte Aufnahmen gegeben hätte. Oben drauf hatten wir dem Sturm geschuldet so eine Verspätung dass wir 2 Häfen “ausgelassen” haben. Wie die Bewohner nun an ihre Post kamen bleibt uns ein Rätsel :)

Tag 7: Kirkenes

Als wir den Hafen von Kirkenes anliefen hatte sich der Sturm beruhigt und es war keine Wolke am Himmel mehr sichtbar.

Eigentlich hatten wir die Husky-Schlitten-Tour gebucht. Aufgrund mangelndem Schnee wurde dieser aber leider abgesagt. So zogen wir es vor einfach zur Fuß die kleine Stadt zu erkunden. Ziel war der Aussichtspunkt Prestefjellet der eine tolle Sicht über die Stadt und den Hafen bot.
Der Rückweg führte uns am Rathaus und der (natürlich geschlossenen) Kirche vorbei.

Mein Tipp: lieber eine Tour buchen – Kirkenes ist nicht besonders sehenswert. Oder diesen Vormittag euch einfach mal als Entspannung sehen :)

Spannender empfand ich gegen Abend den kurzen Aufenthalt in Vardø. Auch wenn wir mal wieder eine Verspätung aufzuholen hatten (wiederum einsetzender Wellengang auf dem offenen Meer) konnten wir zu Fuß die Festung Vardøhus besuchen. Fotografisch gesehen fand ich allerdings die Vardø Kapelle interessanter :)

Schnell zurück zur MS Nordnorge …. und es bot uns in Dämmerung eine tolle Hafenausfahrt.

Tag 8: Hammerfest

Im Herbst 2022 wurde der eigentliche Hurtigruten-Anleger repariert, so dass wir außerhalb der Stadt anlegen mussten, was wiederum bedeutete, das wir gezwungen waren eine Bustour zu buchen um überhaupt etwas von der Stadt sehen zu können. Immerhin wurde die Tour dann vergünstigt angeboten. Die Tour hatte drei “Haltestellen”:

  1. Der Meridianbogen oder Struve-Bogen – Details für Interessierte auf Wikipedia

  2. Aussichtspunkt Salem – lohnt sich bei gutem Wetter sicherlich. Bei uns war es grau in grau – und sehr zugig.
  3. Wiederaufbau-Museum (Gjenreisningsmuseet). Ich nutze die 20 Minuten Zeit die fürs Museum eingeplant waren um zu der sehr nahe gelegenen Hammerfest Kirche zu gehen. Und dies lohnte sich doppelt. Denn diese war sogar offen und ich konnte auch Innen-Aufnahmen machen.



    Hammerfest Kirche – Innenaufnahmen HDR-Technik

Trotz starker Bewölkung und gelegentlichen Regen hatten wir am Abend das erste mal freie Sicht auf Polarlichter. Nun ja – zumindest schwache Nordlichter.

Tag 9: Vesteralen und Lofoten

Wir buchten den wohl beliebtesten Hurtigruten-Ausflug von Harstad nach Sortland: Ein Vorgeschmack der Vesteralen. Aber leider war dies aus fotografischer Sicht recht enttäuschend. Der Tag begann schon mit heftigem Schneefall und die Sonne wollte sich an diesem Tag kein einiges mal zeigen. Ebenso befand sich die übliche Kirche in Renovierung – so dass wir die kurze Andacht in der Harstad Church feierten.

Gefolgt von dem Besuch im “Trondenes Historical Center”. Die Busfahrt durch die herrliche Berglandschaft der Vesteralen wurde aber immer wieder vom Schneefall getrübt. Allerdings konnten wir Rentiere sehen (aber nicht fotografieren).

Als geheimes Highlight dieses Ausflug gilt, wenn der Bus über die Sortlandsbrua fährt wenn zeitlich das Schiff unter der Brücke passiert.

Weiter ging es durch die zerklüftete Landschaft der Vesteralen. Als wir uns zum zweiten Mal dem Trollfjord näherten zog das Wetter immer weiter zu und es gab Schneefall. Keine tolle Sicht – dafür gab es aber auch keine Wellen – so dass einem zweiten Besuch im Trollford nichts entgegen stand. (Davon gibt es auch keine Fotos, denn die Lichtverhältnisse erlaubten keine spannenden Fotos.)

Am Abend hatten wir den zweiten Ausflug des Tages gebucht: Reiten auf dem Lofoten. Auch wenn uns klar war, dass das Reiten bei “Kuh-” oder vielleicht besser “Pferde-Nacht” stattfindet, hatte ich die Hoffnung wenigstens auf der 40minütigen Fahrt von Svolvær zum Hov Horse Farm in Gimsøy an der Atlantikküste etwas von der bezaubernden Landschaft der Lofoten zu Gesicht zu bekommen. Aber da lag ich falsch. Auf der ganzen Fahrt hatten wir starken Schneefall. Und so machten wir uns schon Gedanken wie das wohl auf dem Pferd wird: dunkel, kalt, nass …. Bei der Ankunft ließ der Schneefall langsam nach. Und als wir dann nach der Einführung dick eingepackt nach draußen gingen um unsere Islandpferde zu besteigen waren sämtliche Wolken vorbeigezogen und wir konnten unseren Ausritt bei sternenklarer Nacht genießen. Als kleines Sahnestück: es gab sogar leichte Polarlichter … ein kleiner Vorgeschmack was noch kommen sollte. Denn als wir in Stamsund wieder zum Schiff kamen rannten schon die mitreisenden (japanischen)  Fotografen mit Stativ aufgeregt hin und her. Im Hafen war zu viel “Lichtverschmutzung”. Also eilte auch ich schnell in meine Kajüte um das Nordlicht-Equipment zusammen zu packen und ab aufs Deck. Ein paar Wolken zogen bereits wieder auf – aber es gab doch gute Gelegenheit die Polarlichter zu genießen (und natürlich zu fotografieren.)


Polarlichter / Nordlichter

Anmerkung für Fotografen: Das verwendete Objektiv war das Sigma Art 14 mm mit Blende 1.8. Bei den ersten 4 Fotos lag das Schiff noch vor Anker. Also war der Einsatz eines Stativs hilfreich. Ich experimentierte dann mit der Belichtungszeit. Learning: länger als etwa 2 Sekunden macht kaum Sinn. Beim letzten Foto war das Schiff schon wieder unterwegs. Dennoch nutze ich weiterhin das Stativ. Aber es spricht kaum was dagegen aus der Hand zu fotografieren. Denn ei leichten Bewegungen des Schiffs können so etwas ausgeglichen werden. Der Körper fungiert quasi als Gimbal.

Für uns war dies der ereignisreichte Tag auf der gesamten Hurtigruten-Reise. Schade, dass das Wetter – zumindest fotografisch gesehen – nicht ganz so mitgespielt hat – auf der anderen Seite war da bei den wichtigsten Erlebnissen der Himmel klar – was für ein Glück.

Tag 10: Brønnøysund

Tag 10 sollte der sonnigste Tag werden. Den ganzen Tag über war der Himmel beinahe wolkenlos. So konnten wir die Landschaft genießen und als wir bei den Bergen “Sieben Schwester” vorbeizogen sagte unser Reiseleiter, die habe er seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr so sonnenbestrahlt gesehen.


Helgelandsbrua bei Sandnessjøen


Die “Sieben Schwester”

Beim Landgang in Brønnøysund genossen wir die Sonne. Nach den zurückliegenden Tagen mit Sturm und Schnee fühlte es sich wie Frühling an. Wir schlenderten an der Uferpromenade entlang – und natürlich zur Kirche, die natürlich wieder verschlossen war. Aber auch von außen hat es sich aus fotografischer Sicht  auf jeden Fall wieder gelohnt. 



Brønnøy Church

Als nächstes stand auf den Plan: Zimtschnecke. Aber wir fanden in ganz Brønnøysund kein Bäcker oder Cafe. Lediglich das Café Kred – das sich auch eher als Bistro herausstellte und wo man uns sagte: “Hier gibt es kein Bäcker. Die Norweger backen selber” :-)
Also zurück aufs Schiff um im bordeigenen “Multe Café” die Zimtschnecke zu genießen.
(Kleine Rand-Anekdote: es lohnt sich nicht das das Puzzle im “Multe Café” weiter zu puzzeln. Es fehlen Teile und es wird nie fertig. Aber vielleicht haben andere Reisende mehr Glück als wir.)

Weiter ging es dem Sonnenuntergang entgegen – und einen Schlenker am Torghatten – einem großen hutförmigen Felsen mit einem großen Loch, der Sage nach ein pfeildurchbohrter Hut –  vorbei.


Torghatten

Es wurde auch einen Ausflug mit Wanderung zum Torghatten angeboten. Im Nachhinein ärgert es mich, dass wir diesen ausgelassen haben. Denn dies wäre die interessantere Alternative zu dem doch recht langweiligen Städtchen ohne Bäckerei gewesen.

Da der ganze Tag schon wolkenlos war, hoffte ich auch weiterhin auf sternenklare Nacht – und eventuell nochmals Polarlichter? Laut Expeditionsteam waren wir eigentlich fast schon zu südlich. Dennoch stand ich den ganzen Abend an Deck parat: Sonnenuntergang mit Sternen, Sternenhimmel – und dann doch in der Ferne ein leichtes grünes Glühen, das schnell stärker wurde. Aber wie schon angedeutet – nur fern am Horizont. Wären wir an diesem Abend doch noch 200 km nördlicher gewesen … aber auch so ein tolles Erlebnis.


Polarlichter/Nordlichter am Horizont

Tag 11: Kristiansund

So sonnig der letzte Tag war – so bewölkt und diesig sollten die letzten beiden Tage werden. Kaum lohnte es sich den Fotoapparat auszupacken.

Früh morgens ging die Nordnorge in Trondheim vor Anker. (Dort verlassen schon einige Gäste das Schiff.) Da wir die Highlights ja schon bei ersten Besuch nordwärts gesehen hatten machten wir uns auf die Suche nach einem Bäcker, den wir in Brønnøysund verzweifelt vermisst haben. Es hat sich gelohnt: die Zimtschnecke war schmackhafter als an Bord :-)

Gegen späten Nachmittag gab es noch einen recht kurzen Landgang in Kristiansund. Spannend ist aber schon die Einfahrt zwischen den Inseln der Stadt durch.


Hafenein- und ausfahrt – Kristiansund

Mein Ziel war – wie üblich – nicht das typische Sightseeing “Klippfiskkjerringa – Sculpture of the Town’s Symbol” – sondern die Kirkelandet Kirche. Schon von außen architektonisch herausstechend. Aber wir fanden sogar eine offene Tür (wahrscheinlich nicht für Touristen – sondern für die Jugendgruppe.) Dennoch schlichen wir uns in den Innenraum – und wow: was für ein spannender Anblick:

Kirkelandet Kirche – Kristiansund

Tag 12: Bergen

Um 0:30 Uhr gäbe es noch die Möglichkeit Ålesund zu besichtigen. Wir waren aber von den Erlebnissen der letzten Tage schon so erschöpft, dass wir uns lieber den gesunden Schlaf gönnten. Zumal auch die ermüdende Heimreise an stand.

Der letzte (halbe) Tag auf der Hurtigruten-Reise ist wenig spannend. Die Zimmer müssen frühzeitig verlassen werden, es werden keine Landgänge/Ausflüge mehr angeboten. Auch die Landschaft verliert nach den schneebedeckten Bergen im Norden ihren Faszination.  (Auch wenn es nordwärts noch atemberaubend war.) Alle Reisenden pendeln zwischen Außendeck, Explorer-Lounge, Restaurant, Cafe. Das Wetter passte zur Stimmung – grau in grau. Wir verbrachten die Zeit mit Gesellschaftsspielen.
Dementsprechend gibt’s es kaum Fotos vom letzten Tag:


Die einzigen Sonnenstahlen des Tages am Horizont

Nach dem Anlegen an das Hurtigruten Terminal in Bergen geht alles ganz schnell. Alles ist super organisiert – und eh man sich versieht sitzt man im Flieger nach Hause und hängt mit den Gedanken noch auf “seinem Schiff”.

Fazit:

Lohnt sich die Hurtigruten-Reise für (Hobby-)Fotografen?

Nun ja – die Bilder sprechen für sich. Norwegens Küste bieten tolle Ausblicke auch wenn sie die Motive immer wieder ähneln: unten Wasser, oben Berge :)
Die etwa 2 bis 3 Stunden andauernden Liegezeiten in größeren Städten bieten dann gelungene Abwechslung. Wirklich lohnenswert sind Trondheim, Tromsø (mit Eismeerkathedrale und wenn die Sicht es zulässt die Fjellheisen Seilbahn zum Aussichtspunkt) und Hammerfest. Fotografisch eher uninteressante Städte sind Bodø, Kirkenes, Brønnøysund und Kristiansund.

Und die wichtigere Farge ist wohl: welche Jahreszeit ist die beste für Fotografen?

Nun ja – ich kenne nur den Oktober. Im Vorfeld hätte ich mir mehr “Indian Summer” erhofft. Selbst im Süden war dies schon “zu spät”. Aber mein Fokus lag auch eindeutig auf Polarlichter. Diesbezüglich sind die besten Monate Oktober und März.
Nachteil: Nur im Sommer bringt einen das Hurtigruten-Schiff in den Geiranger Fjord. Zu anderer Jahreszeit muss man einen Ausflug buchen um diesen zu sehen.
Sehr, sehr schade fand ich, dass wir die Lofoten nur im Dunkeln gesehen haben. Sowohl nordwärts wie auch südwärts. Um die typischen Lofoten-Fotos zu machen muss doch der Sommer gewählt werden. Aber da alle Aufenthalte im lofotener Häfen recht kurz sind – am besten doch eine eigene Lotofen-Fotoreise antreten (steht für mich immer noch auf der ToDo Liste :-)
Sehr schön fand ich auch den ersten Schneefall am Nordkapp. Aber um wirklich Winter zu genießen – und auch eine Schlitten-Tour mit Huskys mitzumachen war es definitiv zu früh. Zumal üblicherweise erst im November mit Schneefall gerechnet werden kann.

Welche Objektive muss ich mitnehmen?

Nun ja – kommt drauf an.
– Polarlichter: Offenblende, Offenblende, Offenblende! Stativ auf dem bewegenden Schiff bzw. auch die Bewegung der Nordlichter an sich machen Langzeitbelichtungen sinnfrei. Also lichtstarke Festbrennweite. Ich habe mich für das Sigma Art 14 mm f1.4 entscheiden. Fand das schon eher zu knapp. Also auch 12 mm wäre sinnvoll – man kann ja auch wieder croppen. Wichtigeres Argument ist die größte mögliche Offenblende.
– Landschaften und Wetterstimmungen: Ich nutze meist mein 24-70 mm. Um Wetterstimmungen und Wolken abzulichten kam ab und an mein 12-24er zum Einsatz. Das kann man aber am ehesten zu Hause lassen. Es sei denn – du möchtest Innenaufnahmen im Nidarasdom (Trondheim) machen – dann sind 24 mm zu wenig weitwinklig.
– Details am Ufer: Da kam mein 100-400 mm reichlich zum Einsatz. Aber ich würde mal sagen, dass auch 200 mm ausreichend sind. Ich hatte nie die Gelegenheit Vögel/Adler zu fotografieren. Nur einer meiner mitreisenden Japaner (siehe Tag 9) hatte die Chance mit seinem 600 mm mal einen Greifvolgel abzulichten. Es sei denn der im Sommer angebotene Ausflug zu den Adlern wird gebucht – da ist mehr Brennweite wohl von Vorteil.

Kleine Randnotiz: das war meine letzte Reise ohne Blasebalg. Hatte ich sonst nie Probleme mit Sensorflecken (selbst bei längeren und staubigeren Reisen) ärgerte mich doch ständig Staub auf dem Sensor. Meine Reisebegleiter hatte nur einen Pinsel, der immer nur ganz kurzzeitig Abhilfe schaffen konnte.

 

Ein Gedanke zu „Hurtigruten – Reisebericht

  1. Karl-Heinz Schellenberger

    schöne Bilder! Inspiriert mich ein wenig, auch diese Tour zu machen (nach meinem Arbeitslebensabschnitt)

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